{"id":20674,"date":"2024-04-08T16:29:05","date_gmt":"2024-04-08T14:29:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.otte1.org\/?p=20674"},"modified":"2024-04-08T17:49:07","modified_gmt":"2024-04-08T15:49:07","slug":"der-teller-des-hassan-bin-omari-ein-fall-von-kolonialer-raubkunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/otte1.staging.computerlie.be\/de\/aktuelles\/der-teller-des-hassan-bin-omari-ein-fall-von-kolonialer-raubkunst\/","title":{"rendered":"Der Teller des Hassan bin Omari \u2013 Ein Fall von kolonialer Raubkunst"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Nach dem Markt&#8220; ein Beitrag von Rainer Beuthel am Samstag, 13.04.2024 um 12:30 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>Im Zeitraum zwischen 1884 und 1918, den Jahren deutscher Kolonialherrschaft in den so genannten \u00fcberseeischen Schutzgebieten, wurden im Zuge einer regelrechten Sammelwut zehntausende Objekte indigener Kulturen in deutsche Museen verbracht, haupts\u00e4chlich in das Berliner Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde.<\/p>\n<p>Kolonialbeamte, Offiziere der \u201eSchutztruppen\u201c, Missionare und Handelsreisende wurden von staatlicher Seite aufgefordert, einen Beitrag zur \u201eBewahrung\u201c dessen zu leisten, was zugleich als wild und r\u00fcckst\u00e4ndig zu gelten hatte und angeblich dem Untergang geweiht war. Was vor Ort in seinem Bestand bedroht war, sollte daheim in der Metropole archiviert werden, um es zu \u201eretten\u201c. Bis heute lagern viele Gegenst\u00e4nde in Depots, ohne jemals \u00f6ffentlich gezeigt worden zu sein; vieles wurde fachlich unzureichend archiviert, seine Bedeutung nicht verstanden.<\/p>\n<p>Im Rahmen zunehmender Provenienzforschungen stellt sich immer dr\u00e4ngender die Frage, wie mit diesen Objekten zuk\u00fcnftig zu verfahren ist: sollen sie in die Ursprungsl\u00e4nder zur\u00fcckgef\u00fchrt werden oder hierzulande erstmals oder anders als bisher pr\u00e4sentiert werden?<\/p>\n<p>Eine Gruppe aus deutschen und tansanischen Wissenschaftler*innen (\u201e<a href=\"https:\/\/www.reimer-mann-verlag.de\/controller.php?cmd=detail&amp;titelnummer=101591&amp;verlag=4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Humboldt Lab Tanzania<\/a>\u201c) erforscht seit 2016 eine Auswahl von Objekten, die heute einen Teil der Sammlungen des Berliner Ethnologischen Museum bilden. Die Ergebnisse liegen jetzt in Buchform vor.<\/p>\n<p>Einer dieser Gegenst\u00e4nde ist ein durch einen deutschen Kolonialoffizier nach Berlin gebrachter <a href=\"https:\/\/recherche.smb.museum\/images\/5322461_2500x2500.jpg#3513369\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-rel=\"lightbox-gallery-tXZXeZUG\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\">Messingteller<\/a>. Er wurde in Berlin museal f\u00e4lschlicherweise als \u201egongartiges Musikinstrument aus Messing mit anscheinend sinnlosen Zauberformeln in arabischer Schrift\u201c verzeichnet. Tats\u00e4chlich enth\u00e4lt die eingravierte Inschrift ein in arabischer Schrift verfa\u00dftes Gebet aus dem Koran, das zum Widerstand gegen die koloniale Fremdherrschaft auffordert. Der ehemalige Besitzer des Tellers, Hassan bin Omari, wurde 1895 von den Deutschen mit einer Reihe anderer Aufst\u00e4ndischer hingerichtet.<\/p>\n<p>Rainer Beuthel, der sich seit vielen Jahren mit der Kolonialgeschichte Deutsch-Ostafrikas befa\u00dft, erl\u00e4utert die historischen Ereignisse und seine Folgen bis heute.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9Universit\u00e4tsbibliothek J. C. Senckenberg, Frankfurt am Main<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Nach dem Markt&#8220; ein Beitrag von Rainer Beuthel am Samstag, 13.04.2024 um 12:30 Uhr Im Zeitraum zwischen 1884 und 1918, den Jahren deutscher Kolonialherrschaft in den so genannten \u00fcberseeischen Schutzgebieten, wurden im Zuge einer regelrechten Sammelwut zehntausende Objekte indigener Kulturen in deutsche Museen verbracht, haupts\u00e4chlich in das Berliner Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde. 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